Wunsch und Wirklichkeit – Sharing Angebote unter der Lupe

Autoreninfo: Tobias Scheffel, ADAC Westfalen e.V.
ADAC Westfalen e.V.

Teilen ist das neue Besitzen. Denn ganz oft muss man etwas gar nicht für sich allein haben, um es effektiv und nach Belieben nutzen zu können. Das ist das große Versprechen, dass die Sharing Angebote machen.

Man teilt das Auto, das Fahrrad, den E-Scooter. Niemand braucht mehr eine eigene Garage und das Auto steht nicht dauernd nur rum. Man sucht und bucht es genau dann, wann man es braucht und sonst muss man sich um nichts kümmern. Mit E-Bikes geht das auch und mit so genannten „Elektro- Kleinstfahrzeugen“ erstrecht. Klingt eigentlich sehr gut, ist aber noch immer eher eine Utopie und nicht die Normalität.

Wie diese Idee zur Normalität werden kann, darüber sprechen ein halbes Dutzend Experten beim ADAC Regionalforum in Hamm.

„Wir sind es nun mal gewöhnt, dass das Auto vor der Tür steht und wir es jederzeit nutzen können. Beim Car-Sharing ist das natürlich anders, ich muss etwas mehr planen, kann dann aber Fahrzeuge auch jederzeit nutzen. Vor jeder Nutzung des Wagens muss ich aber überlegen: was brauche ich jetzt wirklich und muss ich dafür ein Auto nehmen. Manchmal sind eben auch Bus oder Fahrrad die beste Alternative, und nicht das Auto. Aber wenn das eigene Auto vor der Tür steht, dann denke ich darüber erst gar nicht nach.“, sagt Matthias Schmitz von der „Stadtteilauto CarSharing Münster GmbH“.

Matthias Schmitz stellt in Hamm das Projekt „Stadtteilauto“ vor. Deren Fahrzeugflotte steht an verschiedenen festen Punkten im Stadtgebiet von Münster und im Umland. Und genau dort hakt es noch am meisten. Die Menschen in der Großstadt verzichten immer öfter auf das eigene Auto, wenn sie können. Im ländlichen Raum sind die Menschen vorsichtiger und halten am Status des „Fahrzeugbesitzers“ fest. Doch das Projekt Stadtteilauto kriegt auch auf dem Land immer häufiger einen Fuß in die Tür, berichtet Schmitz. Dafür braucht es aber nicht nur private Haushalte, sondern auch die Unterstützung der kleineren Kommunen:


„Das ist tatsächlich schwierig. Man muss zuerst überhaupt mal die Nachfrage haben. Das braucht viel Zeit und Geduld. Aber das kann uns gelingen, wenn wir mit den Kommunen zusammenarbeiten, die ihre eigene Fahrzeugflotte abschaffen, zugunsten von Car-Sharing Modellen.“

Die Ziele haben alle Referenten und die Teilnehmer beim Regionalforum eigentlich gemeinsam: weniger Fahrzeuge, weniger Emissionen, mehr Lebensqualität. Dazu gibt es aber eben drängende Fragen. Die Referenten erzählen von ihren Erfahrungen mit Fahrradverleihsystemen, der Sicherheit von E-Scootern und dem Nutzen von Carsharing in Touristen-Hochburgen wie dem sauerländischen Winterberg.

Thomas Oehler, Vorstand für Technik & Verkehr beim ADAC Westfalen erklärt: „Wir haben von den Referenten ja gehört, dass schon viel gemacht wird. In den Großstädten natürlich wesentlich mehr als auf dem Land. Im ländlichen Bereich, da ist das erst so langsam im Kommen und ich glaube genau da können wir wirklich unterstützen und durch Programme des ADAC dafür sorgen, dass das Thema Sharing vorangetrieben wird. Beim Auto, beim Fahrrad, beim E-Scooter- bei der gesamten Bandbreite eben.“

Perfekte Lösungsmodelle kann das Regionalforum natürlich nicht bieten. Aber die Referenten und Teilnehmer nehmen eine ganze Menge Ideen mit. Die Aufgabe des Regionalforums ist es, so genannte „Best-Practice“ Beispiel zu zeigen und zu erklären. Projekte aus anderen Städten und aus ganz unterschiedlichen Sparten finden sich danach oft in weiteren Kommunen und Mobilitätsplanungen in Nordrhein-Westfalen wieder. 

Besonders erschwert wurde das ADAC Regionalforum 2020 natürlich durch das Corona-Virus. Die Veranstaltung mit Abstandsregeln und Mund-Nasenschutz durchzuführen, war aber auf jeden Fall die richtige.

„Es war sehr gut. Ich war überrascht, dass die Nachfrage in einem durchaus akzeptablem Rahmen war. Wir waren 45 Leute, die Abstände hier im Kurhaussaal haben super gepasst. Ich finde es richtig und wichtig, dass wir das Regionalforum gemacht haben.“, sagt Thomas Oehler.

Bis wir alle nur noch teilen und nicht mehr besitzen ist es sicherlich noch ein weiter Weg. Aber das Regionalforum des ADAC in Hamm hat viele mögliche weitere Schritte in die richtige Richtung gezeigt. Diese Schritte dann auch zu tun, das ist die Aufgabe von allen, die auch in Zukunft mobil sein wollen.
 

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