Das ADAC Westfalen Oldtimer Festival bildet das große Finale. Foto: Meinolf Volkert
Das ADAC Westfalen Oldtimer Festival bildet das große Finale. Foto: Meinolf Volkert

ADAC Zurich Westfalen Klassik – Mit einer Göttin auf Zeitreise

Autor: Anne-Sophie Barreau

Erfolgreiche Premiere der ersten Int. ADAC Zurich Westfalen Klassik begeistert Teilnehmer und Besucher

Kurven, Kultur und hochkarätige Oldtimer vor traumhafter Kulisse – Anfang September feierte die Int. ADAC Zurich Westfalen Klassik (AZWK) Premiere. Bei der ersten Auflage der Oldtimer-Rallye des ADAC Westfalen rollten Anfang September mehr als 80 Oldtimer quer durch Westfalen. Die klassischen Fahrzeuge verwandelten die insgesamt 350 Kilometer lange Strecke zwischen Bad Sassendorf, Warstein und Paderborn in ein rollendes Museum und zauberten ein strahlendes Lächeln auf die Gesichter von Besuchern und Teilnehmern. Nach zwei Tagen entspannter Fahrt durch malerische Landschaften und idyllische Orte bildete das ADAC Oldtimer Festival im Kurpark Bad Sassendorf das große Finale der Veranstaltung. 

Um Punkt 9:01 Uhr schwenkt Bernhard P. Jühe, Vorsitzender des ADAC Westfalen und Leiter der AZWK, die Startfahne. „Gute Fahrt und viel Spaß“ wünscht er Peter und Kerstin Finkemeier und das Auto mit der Startnummer eins rollt los. Der blaue Rally ist mit Baujahr 1924 das älteste Fahrzeug im Teilnehmerfeld. Wie eine Perlenkette reihen sich die anderen Oldtimer hinter ihm auf; im Minutentakt startet einer nach dem anderen. Die Motoren brummen dezent, es riecht nach Benzin und die Luft schmeckt nach Regen, Vorfreude und Adrenalin.

Rollendes Kulturgut

Knapp ein Jahrhundert Automobilgeschichte verkörpert das Starterfeld der AZWK – von klassischen Fahrzeugen bis hin zu echten Oldtimern. Zur Parade der betagten Schätze gehören neben Youngtimern auch Modelle aus den 1920er und 1930er Jahren. Zu den insgesamt 17 Vorkriegsautos zählen mit dem blauen Rally auch weitere Hochkaräter wie der Bentley 4,5 Litre Le Mans von 1929 mit Ewald und Gaby Sprey am Steuer, der 1936er Mercedes-Benz 290 Cabrio B von Johannes Schulte mit Hans-Peter Oesterhoff als Beifahrer und der BMW 327/28 Cabrio von 1938 von Manfred Feldhaus und Monika Brochtrup. 

Gangsterauto trifft Froschauge

Ein bisschen Gangsterflair bringt der schwarze Citroen 11CV „Légère“ mit Baujahr 1955 von Peter und Ida Grasbeinter auf die Straßen Westfalens. Die Limousine wurde seinerzeit wegen ihrer hervorragenden Fahreigenschaften zum beliebten Fluchtfahrzeug für böse Buben vor der Polizei und ist bis heute in dieser Funktion in Film und Fernsehen zu sehen. Auch jüngere Modelle sind im Feld der AZWK vertreten: Mit auf Tour ist beispielsweise der 1963er Porsche 356 B 1600 Coupé von Clemens und Sigrid Fischer. Mit dem 1959er Austin-Healey Sprite MKI von Stefan und Karen Rampe und dem 1962er Ford Taunus 17m von Dr. Michael Mertens fahren außerdem ein „Froschauge“ und eine „Badewanne“ mit, wie die beiden Autos jeweils liebevoll im Volksmund genannt werden.

Göttlich unterwegs

Zur AZWK ist auch eine französische Göttin angereist. Der Citroën DS wird „déesse“ ausgesprochen – übersetzt heißt das „die Göttin“. Im Cockpit-Team vorne herrscht höchste Konzentration: Der Beifahrer, „das Gehirn“ bei einer Oldtimer-Rallye, studiert konzentriert das Bordbuch. „Spitz rechts“, heißt es und der Fahrer biegt scharf in die nächste Kurve ein. Auf den roten Rücksitzen sitzt es sich ein bisschen wie auf einem Sofa, während die grüne Landschaft des Sauerlands mit durchschnittlich 40 Kilometern pro Stunde vorbeifliegt und der Regen leise aufs Autodach prasselt. Auf ländlichen Straßen geht es vorbei an malerischen Höfen, Wiesen und Wäldern und auffallend wenig Ampeln: Dass die AZWK auf der gesamten Route nur fünf Stück zählt, ist kein Zufall sondern das Ergebnis akribischer Planungen und monatelanger Vorbereitungen des AZWK-Teams um Bernhard P. Jühe. Insgesamt zehn in der Region ansässige Ortsclubs haben eng mit dem ADAC Westfalen zusammengearbeitet und sich mit viel Engagement und Herzblut in die Organisation der AZWK eingebracht.

Blitzendes Chrom vor märchenhafter Kulisse

Zum ersten Zwischenstopp fahren die Oldtimer ein Stück am Möhnesee entlang und dann zur ADAC Yachtschule. Langsam schiebt sich die Sonne durch die Wolken und lässt Chrom und See gleichermaßen im Licht glitzern. Weiter geht es über die Deutsche Alleenstraße bei Niederbergheim zu einem der Höhepunkte der Oldtimer-Rallye: Bei der Mittagspause auf der Warsteiner Internationalen Montgolfiade trifft das rollende Kulturgut auf die Atmosphäre eines der weltweit größten Heißluftballon-Wettbewerbe. Von Warstein führt die Route zur Sauerländer Edelbrennerei. In den Räumlichkeiten des alten Kalenharter Sägewerks sind Werke von Otmar Alt zu sehen; der Künstler fährt als Beifahrer im Opel Olympia von 1957 mit Walter Mühlheims mit. Für die AZWK hat er exklusiv das Titelbild entworfen, das sich auch im Logo der Veranstaltung wiederfindet. Über Schloss Körtlinghausen und das ADAC Fahrsicherheitszentrum in Rüthen geht es zurück zum Tagesziel im Kurpark Bad Sassendorf. 

Erlebte Mobilitätsgeschichte

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen von Burgen und Schlössern und macht gleichzeitig ein Stück Mobilitätsgeschichte erlebbar: Die rund 150 Kilometer lange Strecke führt über Schloss Eggeringhausen zur Mittagsrast bei dem Unternehmen MeisterWerke weiter zum Wasserschloss Alme und der Wewelsburg. Bei der Etappe am Flughafen Paderborn-Lippstadt treffen automobile Oldtimer und historische Flugzeuge aufeinander. Die Rallye entführt Teilnehmer und Besucher sozusagen auf eine Zeitreise. Nachmittags kommen die Teilnehmer vorbei an den Schlössern Erpernburg und Erwitte, bevor am Ende dieser Tagestour die Zielflagge im Kurpark Bad Sassendorf fällt. Den Tagessieg bestreitet die 1931er Opel Cabrio Limousine von Paultheo  Kessler und Johann König für sich.

Die Gesamtwertung gewinnt derselbe Jensen 541S mit Baujahr 1960, der bereits den ersten Tag als Sieger für sich entscheiden konnte: Die Freude über den doppelten Sieg ist bei Klaus und Karin Steffens groß. 

„Hochkarätige Fahrzeuge, traumhafte Strecken und malerische Landschaften – das macht die Premiere der AZWK aus. Bei der Veranstaltung sind Kultur, Natur und Kulinarik auf ganz besondere Weise zusammengekommen.  Die Region ist einfach wie gemacht für eine Oldtimer-Rallye. Von Teilnehmern und Besuchern haben wir durchweg sehr positives Feedback erhalten“, bilanziert Bernhard P. Jühe.  

Krönender Abschluss bei Sonnenschein

Zum großen Finale strahlt die Sonne mit Besuchern und Teilnehmern der AZWK um die Wette. Das ADAC Westfalen Oldtimer Festival zieht zahlreiche Gäste in den Kurpark Bad Sassendorf. Hier gibt es viel zu sehen: Die Teilnehmer der AZWK präsentieren ihre Fahrzeuge und lassen in gemeinsamen Gesprächen mit Mitstreitern und Interessierten die letzten beiden Tage Revue passieren. Viele weitere Oldtimer-Fans sind in den Kurpark gekommen, um ihre nostalgischen Autos, Motorräder und Traktoren unterschiedlichen Alters auszustellen und sich über ihre Fahrzeuge auszutauschen. Das Zelt des ADAC Westfalen informiert über die Geschichte des Vereins und die an der Oldtimer-Rallye beteiligten Ortsclubs. Beim „Concours d’Élégance“ haben Besucher zudem die Möglichkeit, das schönste Auto der Oldtimer-Rallye zu prämieren: Gewinner des Wettbewerbs ist der Bentley 4,5 Litre Le Mans aus dem Jahr 1929.

Nach der Siegerehrung der Rallyegewinner und des Publikumspreises bleibt genügend Zeit, um sich bei Jazzmusik der „Original Salzsieders“ und kulinarischen Köstlichkeiten über die automobilen Schätze, ihre Besonderheiten und ganz persönliche Geschichte zu unterhalten und so die AZWK gebührend ausklingen zu lassen.

Informationen

Weitere Informationen zur AZWK sind erhältlich unter Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.adac.de/westfalen-klassik

Foto 1, 2, 4, 9: Herbert Polder

Foto 3: Anne-Sophie Barreau/ADAC

Foto 5, 8: Daniel Schimmel

Foto 6, 7: Hubertus Struchholz

Foto 10: Arndt Brunnert

Foto 11: Markus Rheinländer / www.quax-flieger.de

Foto 12: Thomas Brüggestraße

Foto 13, 14: Meinolf Volkert


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  Ansprechpartner
ADAC Westfalen e.V. / Freie-Vogel-Straße 393 / 44269 Dortmund / Tel. (02 31) 54 99-540 / Service@wfa.adac.de