Der (gelbe) Engel vom Ahrtal

Autoreninfo: Katja Schulz, ADAC Westfalen e.V.
Foto: ADAC Westfalen e.V.

Irgendwie piekst es. Es stört. Es nagt. Christian Marks bezeichnet es als „starke innere Unruhe“. Das Gefühl lässt ihn nicht mehr los. Er möchte helfen, weil es ihm im Blut liegt. Die Flutkatastrophe im Juli führt bei dem 48-jährigen dazu, dass er nur noch einen Gedanken hat: „Wie kann ich den Betroffenen unter die Arme greifen und die Menschen unterstützen?“

Eigentlich ist es gar kein Wunder, dass Christian Marks genau so denkt. Denn Menschen zu helfen, ist sein Job. Er ist Teamleiter bei der ADAC Straßenwacht in Dortmund.

„Ich kenne die Region gut, weil ich dort auch Motorsport betreibe. Die Bilder von dort haben mich erschreckt und schockiert und ich habe dann unmittelbar über mögliche Unterstützung für die Opfer nachgedacht. Die Entscheidung fiel am Wochenende nach dem Unwetter. Hier am Schreibtisch einfach weiterzuarbeiten, während viele Leute ihre Existenz verloren haben, das ging einfach nicht. Da musste ich handeln.“, erklärt der Dortmunder

Also macht er genau das. Er handelt. Seine erste Handlung sieht so aus: er fragt den Chef, ob er direkt all seine Überstunden nehmen könne. Die Überstunden reichen für eine gute Woche. Urlaub machen will er damit natürlich nicht, sondern er will ins Katastrophengebiet im Ahrtal fahren, um mit anzupacken. Natürlich darf er die Überstunden nehmen. Die Kollegen sind beeindruckt.

Nur wenige Tage nach der Flutkatastrophe macht Christian Marks sich mit seinem Wohnmobil auf den Weg ins Krisengebiet. Mit dabei: ein große Menge Geld- und Sachspenden. Als klar ist, dass er in den Kreis Ahrweiler fährt, postet er es in seinem WhatsApp Status. Die Reaktionen von Freunden und Familie sind überwältigend. Alle wollen ihn unterstützen. So nimmt Marks nicht nur 400,- € Geldspenden, sondern auch Schlafsäcke, Zelte, Wasserkanister, Schaufeln und sogar eine Motorsäge mit ins Katastrophengebiet. Eine gute Freundin stellt mehrere Tüten mit Hygieneartikeln zusammen. Zahnbürsten, Zahnpasta, Shampoo und Waschlappen kann Christian Marks so direkt vor Ort an Hilfebedürftige verteilen.  

Zunächst reist er nach Dernau, dann nach Rech. Auch in Altenberg und in Kreuzberg ist der Helfer unterwegs. Auf der Tagesordnung steht „tonnenweise Schlamm aus den Häusern vor Ort schippen und Sperrmüll beseitigen“, so Marks. Der Anblick der gewaltigen Zerstörung, der ständige Staub und die schon jetzt sichtbaren Langzeitschäden an Umwelt und Natur machen es ihm nicht leicht. 

Und trotzdem gibt es immer wieder Lichtblicke bei seinem Einsatz: Was den gelben Engel am meisten beeindruckt, ist „die große Hilfsbereitschaft aller Helfer und Menschen vor Ort“. In der Gemeinschaft wird er direkt herzlich aufgenommen, die Menschen sind froh und glücklich über jede helfende Hand. 

Insgesamt fünf Tage ist Christian Marks unterwegs. Dann werden er und andere freiwillige Helfer gebeten zu gehen. 

„Zuerst habe ich diese Aufforderung als Fehler angesehen. Im Nachgang fiel mir aber auf, dass der Weg für viele professionelle Helfer freigemacht werden musste. Straßen waren überlastet, anrückende Rettungskräfte wurden blockiert, teilweise mussten freiwillige Helfer dann von den Rettungsdiensten behandelt werden, weil sie sich selbst zu viel zugemutet oder verletzt hatten.“, erzählt der 48-jährige.

Trotzdem möchte der (gelbe) Engel vom Ahrtal noch einmal hin. Diesmal nicht um „aufzuräumen“, sondern um beim Wiederaufbau zu helfen. Auch wenn es wieder ein Woche Überstunden kostet, oder sogar mehr. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, sagt er: „Wenn wir es in solchen Katastrophenlagen nicht schaffen zusammenzuhalten, dann schaffen wir es an anderen Stellen erst recht nicht!“

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