Die Geschichte des ADAC Westfalen e.V.

Mehr als 110 Jahre ADAC Westfalen

Die Herren, die um den Versammlungstisch sitzen, heben die Hand. Redakteur G. Riefenstahl blickt in die Runde. „Gut, dann sind wir uns ja einig. Hiermit erkläre ich den Antrag für einstimmig angenommen. Lassen Sie uns anstoßen auf den neuen Gau Westfalen-Lippe!“

So oder so ähnlich könnte es sich abgespielt haben, als sich am 21. August 1904 um 11 Uhr vormittags 30 „honorige“ Herren im Restaurant „K. Modersohn“ in Bielefeld treffen, um das fortzuschreiben, was ein Jahr zuvor in Stuttgart mit der Gründung der „Deutschen Motorradfahrer Vereinigung“ (DMV) begonnen hatte. Bereits 1904 heißt es in der vom DMV verabschiedeten Clubsatzung, dass die Deutsche Motorradfahrervereinigung in „Gaue“ eingeteilt wird, welche die Vereinsinteressen des Hauptclubs vertreten sollen. Eine Satzung, die schneller als gedacht erfüllt ist – schließlich sind bereits Mitte des Jahres 13 „Gaue“ entstanden. Nach Berlin-Brandenburg, Thüringen-Sachsen, Rheinland, Hannover-Niedersachsen, Hamburg-Norden, Pommern-Ost- und Westpreußen, Bayern, dem Königreich Sachsen sowie Oberrhein ist es nun die Region Westfalen, die sich in an diesem Sommertag als „Gau V Westfalen und beide Lippe“ in die Kette der bereits bestehenden einreiht.

Vorsitzenden wird der Redakteur G. Riefenstahl vom „Radmarkt“, Schriftwart der bekannte Motorrad- und Fahrradfabrikant Arthur Göricke. Eine Sammlung unter den Gründungsteilnehmern erbringt 55 Reichsmark – der erste Grundstock für die Vereinskasse ist gelegt. Getreu den Richtlinien des DMV “das es nothwendig ist, die Vorurtheile und Hindernisse, welche vielerseits, wie allem Neuem so auch dem Motorrade entgegengebracht werden, zu bekämpfen” und “daß es wünschenswerth erscheint, die großen Vorzüge des Motorrads in öffentlichen Concurrenzen vor aller Welt zu demonstrieren”, macht sich der frisch gebackene ADAC Westfalen-Lippe ans Werk. In den folgenden 100 Jahren wird er das Werden und Wachsen des DMV und späteren ADAC maßgeblich mittragen und gestalten.

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Die Gründungsjahre – Einsatz für den mobilen Fortschritt

Bereits in den ersten Gründungsjahren entwickeln der DMV und seine Gaue (heute Regionalclubs) zahlreiche Grundleistungen. So erhalten die Mitglieder – 1907 zählt der Westfalen-Lippe bereits 606 Kraftfahrer – von ihrem Club kostenlos erste Straßenkarten sowie das so genannte “Conti-Handbuch” für Automobilisten, ein Verzeichnis von Tankstellen, Hotels und Werkstätten, ergänzt um Tipps für Auto- und Motorradfahrer. Die hohe Pannenanfälligkeit der damaligen Fahrzeuge sowie der schlechte Zustand des Straßennetzes im Deutschen Kaiserreich macht es schnell zu einem unverzichtbaren Begleiter des mobilen Bürgers. Der Redaktion des “Conti-Handbuch” gehörten zwei Clubfreunde aus Westfalen an: der Schriftführer und Kassierer Direktor Külper aus Soest und der zweite Fahrwart Ernst Mausberg aus Hagen.

Überwiegend konzentriert sich die Clubarbeit im ersten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts noch auf die Motorradfahrer, aber ab 1910 steigt die Zahl der Automobilbesitzer stark an; bereits 1911 fahren von den deutschlandweit 17.000 Mitgliedern 12.000 ein Automobil. Der DMV dokumentiert diese Entwicklung mit einer Namensänderung und nennt sich fortan “Allgemeiner Deutscher Automobilclub”, kurz ADAC. 1912 wählt die Mitgliederversammlung des ADAC Westfalen-Lippe den Bochumer Sanitätsrat Dr. Friedrich Fischer zu ihrem Vorsitzenden. Nachdem seit 1904 fünf verschiedene Vorsitzende dem Club vorstanden, tritt damit an der Spitze endlich Kontinuität ein.

1913 beginnt der ADAC mit der Aufstellung der ersten Straßenschilder. Durch die wachsende Zahl an Automobilen kommt es zu einer Zunahme des Straßenverkehrs, die erste, wenn auch zaghafte Regulierungsmaßnahmen nötig macht. Weiterhin werden in Westfalen an empfehlenswerten Hotels die bekannten ADAC-Schilder angebracht und der Vorstand bemüht sich um die Einrichtung von Benzinstationen, denn Tankstellen im heutigen Sinn waren damals noch unbekannt. Der Kraftstoff wurde in der Frühzeit der Motorisierung bei Kaufleuten aus Fässern und anderen Behältnissen gezapft. Erst Anfang der 20er-Jahre werden die ersten Tankstationen in Deutschland errichtet.

Der Erste Weltkrieg bedeutet für die Motorisierungswelle und damit auch für den ADAC einen schweren Rückschlag. Viele der Mitglieder ziehen in den Krieg oder stellen ihre Kraftfahrzeuge Verwundetentransporten oder anderen militärischen Zwecken zur Verfügung. Private Fahrten mit dem eigenen Kraftfahrzeug sind ab 1915 untersagt. Das Clubleben erstarrt. Hatte der ADAC Westfalen-Lippe 1913 noch 982 Mitglieder, zählt er zum Kriegsende nur noch 869. Auto- und Motorradbesitzer leiden unter dem Mangel an Kraftstoff und Ersatzteilen.

Wiederaufbau nach dem 1. Weltkrieg

Dennoch - getragen durch den sich stetig entwickelnden Motorsport - erholt sich der ADAC nach den Kriegswirren erstaunlich schnell. Bereits Mitte der 20er-Jahre ist die Zahl der Mitglieder im „Gau V – Westfalen und Lippe“ auf stolze 1928 angestiegen. Die über 50 Ortsclubs rufen zahlreiche Sportveranstaltungen ins Leben, obwohl die Behörden diesem Sport anfangs nur wenig Verständnis entgegenbringen. Zum Programm gehören schon damals Zuverlässigkeitsfahrten, Fuchsjagden und Bildersuchfahrten, ab 1924 das Selbecker-Bergrennen in Hagen, das Hohensyburg-Dreiecks-Rennen, Straßenrennen in Bünde, das Teutoburgerwald-Rennen bei Bielefeld sowie zahlreiche Bahnrennen u.a. in Recklinghausen und Dortmund. Die erste Großveranstaltung in Westfalen ist das Rennen “Rund um das Hermannsdenkmal” im Jahr 1925, das Hunderte von Zuschauern an die Rennstrecke lockt. Die Zuverlässigkeitsfahrt für Motorräder mit Start- und Zielpunkt in Detmold ist der Vorläufer der so genannten “Westfalen-Lippe-Fahrt”, die sich in den folgenden Jahren zu einem Klassiker entwickelt. In manchen Jahren verfolgen bis zu 100.000 Zuschauer das Rennen, Starterfelder von weit über 1000 Autos und Motorrädern sind keine Seltenheit. Großen Anteil am Erfolg des Motorsports in Westfalen hat Wilhelm Lünenschloß aus Haspe. Lünenschloß, Mitglied des Reichstages, vertritt den ADAC Westfalen-Lippe sechs Jahre lang beim ADAC in München und erhält für seine Verdienste um den Motorsport 1929 die höchste Auszeichnung des ADAC.

Die goldenen 20er-Jahre

1928 schlägt die Geburtstunde des ADAC-Straßenhilfsdienstes, der wie kein anderer bis heute noch das Image des Clubs bestimmt. 36 Motorrad-Beiwagen-Gespanne der Marke “D-Rad” der Spandauer Motorenwerke werden im Reichsgebiet eingesetzt, eines davon fährt fortan hier in Westfalen seine Patrouillen und leistet havarierten Kraftfahrern erste Hilfe. Eine Einrichtung, die dringend erforderlich ist, schließlich werden durch die fortschreitende technische Entwicklung auch die Ausflugs- und Reiseziele immer weiter gesteckt.

Zählen in den Anfangsjahren des Automobilistenlebens noch sonntägliche Ausflüge ins Grüne zu den absoluten Höhepunkten, werden ab 1928 vom ADAC bereits Pauschalreisen in entferntere Regionen Deutschlands angeboten. Dennoch – weite Reisen waren für den Normalbürger auch in jener Zeit noch so ungewöhnlich, dass Leser des “Autokurier für Westfalen-Lippe” noch 1929 über den Reisebericht des Josef Pantförder aus Recklinghausen staunten, der mit seinem Motorrad über das “norddeutsche Katzenkopfsteinpflaster” bis zur Nordsee gefahren war und auf den 400 Kilometern 16 Liter Benzin verbraucht hatte.

Im Jahre 1931 heißt es Koffer packen - der „Gau V – Westfalen und LIppe“ zieht von Bielefeld in das neu erstandene Verwaltungsgebäude in der Kaiserstraße in Dortmund. Doch die Freude über die Räumlichkeiten sind nur von kurzer Dauer, denn im 2. Weltkrieg wird das Gebäude komplett zerstört. Erst 1954 wird das Haus neu aufgebaut.

Abschied von der Demokratie

Die 30er-Jahre bilden ein kurzes Kapitel in der Geschichte des ADAC, was nicht am Club, sondern an jenen liegt, die in Deutschland ein “1000-jähriges Reich” errichten wollen. Noch im Jahr 1933 wird der ADAC gleichgeschaltet. Die Nationalsozialisten nutzen die vorhanden Strukturen des ADAC, benennen ihn aber in “DDAC” (Der Deutsche Automobilclub) um, gliedern auch die anderen Automobilclubs ein und installieren ein ihnen genehmes Präsidium. Der Motorsport aber wird fortan vom Nationalsozialistischen Kraftfahrer-Korps (NSKK) verantwortet. Damit kontrollieren die Nationalsozialen den überaus populären Motorsport und nutzen gerade den Spitzensport für ihre Propaganda. Diejenigen aber, die mit den Nationalsozialisten politisch nicht konform gingen, verließen den DDAC oder engagierten sich nicht weiter.

Nach Kriegsende wird der DDAC von den Alliierten als nationalsozialistische Organisation eingestuft und verboten. Der Club muss buchstäblich bei Null anfangen. Erst 1947 wird die Neugründung des Clubs von den Besatzungsmächten genehmigt. Umso erstaunlicher ist es, mit welcher Geschwindigkeit der ADAC nach seiner Wiedergründung erneut zum einflussreichsten Kraftfahrerverband der jungen Bundesrepublik wird. Bereits 1949 kann der Club 30.000 Mitglieder verzeichnen. Auch der ADAC Westfalen-Lippe erwacht in diesen Jahren zu neuem Leben.

Erste Nachkriegsgeschäftsstelle wird die nur wenig zerstörte Wohnung des Dortmunder Druckereibesitzers Karl Oberhuber. Hier werden neue Adressen gesammelt und alte Kontakte belebt. 1948 beschließt der ADAC auf den Druck der Besatzungsbehörden hin die Gründung zweier Regionalclubs in Westfalen: „Westfalen-West“ (Dortmund) und „Westfalen-Ost“ (Bielefeld). Erster Vorsitzender des ADAC Westfalen-West wird Dr. Schmidt-Tophoff. Nach einer turbulenten Wiedergründungsphase, vier Vorsitzende in gerade mal acht Jahren, kann dann Dr. Wilhelm Meinhard (1956-1965) für Kontinuität sorgen.

Aufbruch in neue Zeiten

In den ersten Nachkriegsjahren wird die Leistungspalette des ADAC stetig ausgebaut: Schon 1948 veröffentlicht der Club erste Tourenempfehlungen für seine Mitglieder. Im darauf folgenden Jahr erscheint die so genannte “Straßenzustandskarte”, durch sie soll der Kraftfahrer “schlechte Straßenabschnitte vermeiden, um Fahrzeug und Bereifung zu schonen”, so die “Motorwelt”.

Die erste große Motorrennsportveranstaltung des ADAC Westfalen-West findet 1949 auf der Trabrennbahn in Recklinghausen statt, es folgt 1950 die erste “Deutschlandfahrt” nach dem Krieg – 1800 km lang startet sie in Hannover und führt über Köln und Frankfurt bis nach München. Ein weiteres wichtiges Datum ist der 30. September 1951: Unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundesverkehrsministers Dr. Seebohm wird in Soest die 1. “Westfalenfahrt” gestartet – eine Veranstaltung, die bis heute ihren festen Platz im Motorsportprogramm des ADAC Westfalen hat.

Premiere feiert 1953 in Münster die 1. „Nordwestfälische Zuverlässigkeitsfahrt“ mit über 200 Teilnehmern. Fahrer aus Berlin, Kiel und München mengen sich unter die westfälischen Clubfreunde. 1954 findet in Dortmund erstmals der “Tag des Motorsports” statt, der in den folgenden Jahren zu einer Art “Familientreffen” der Motorsportfreunde wird. Neben Auto- und Motorradrennen stehen ein abwechslungsreiches Unterhaltungsangebot für Kinder, Musik und Tanz sowie zahlreiche Siegerehrungen auf dem Programm. Und auch für das leibliche Wohl ist natürlich gesorgt. Rund 10 Jahre später muss auf den „Tag des Motorsports“ verzichtet werden. Der überaus große Erfolg, gemessen an den Teilnehmerzahlen, macht die Veranstaltung immer kostspieliger und letztlich auch organisatorisch undurchführbar.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums beschließt der Clubvorstand, das im Krieg zerstörte Gebäude der Hauptverwaltung in der Kaiserstraße in Dortmund neu aufzubauen. Ein Jahr später, im Dezember 1955 wird das neue Haus feierlich eröffnet.

Die Wiedergeburt des ADAC Straßenhilfsdienstes erfolgt 1954 – allerdings unter dem neuen Namen ADAC Straßenwacht. Für ein halbe Million D-Mark wird deutschlandweit eine Startflotte von 60 BMW- und NSU-Beiwagen-Motorrädern angeschafft. Sechs der Gespanne kommen beim ADAC Westfalen-West zum Einsatz. Sie befahren im Patrouillendienst die Autobahn von Duisburg bis Hamm, den Ruhrschnellweg von Essen bis Soest sowie die Bundesstraße 54 von Dortmund über Hagen nach Lüdenscheid. Ein Jahr später wird die Flotte auf 11 Fahrzeuge erhöht. Die Mitarbeiter der Straßenwacht gelten im Volksmund schnell als “Gelbe Engel” und bescheren dem ADAC ungeahnte Popularität weit über die Kreise der Autobesitzer hinaus.

Mit der Gründung der ADAC Reise GmbH 1957 und der Einführung des ersten Auslandsschutzbriefs 1958 kommt der Club den gestiegenen Mobilitätsbedürfnissen seiner Mitglieder entgegen. Durch den Auslandsschutzbrief werden Reisedokumente wie Triptik oder Carnet nicht mehr benötigt. Besonders Campingurlaub erfreut sich bei den Deutschen zunehmender Beliebtheit. 16 Campingplätze der Region werden als “empfehlenswert” im ersten Nachkriegs-Campingführer des ADAC aufgenommen.

Zu einem der beliebtesten Ausflugsziele wird ab 1956 der ADAC Campingplatz in Körbecke am Möhnesee. In den Folgejahren erlebt der Platz ständige Erweiterungen: Sanitär- und Verkaufsräume entstehen, das Gelände wird erweitert, die Uferpromenade neu gestaltet. 1957 verbringen 9.000 Campingfreunde in Körbecke ihren Urlaub, ein Jahr später sind es bereits 16.000. Auch die ADAC Yachtschule fördert den Wassersport am Möhnesee und bietet ein breites Ausbildungsprogramm mit Segel- und Motorsportführerscheinen an.

Ausbau der Serviceleistungen

Die 60er-Jahre werden geprägt vom stürmischen Wachstum sowohl des Gesamt-ADAC wie auch seines Regionalclubs Westfalen-West, 1962 zählt der Regionalclub bereits 50.000 Mitglieder. Die gestiegenen Mitgliederzahlen ermöglichen es dem Club, seinen Service für die Mitglieder auszuweiten. So beginnt die Straßenwacht mobile Prüfdienste und Pannenkurse aus der Taufe zu heben. Die Prüfstände für Bremsen, Reifen, Tachometer und Beleuchtung reisen in wetterfesten Zelten von Stadt zu Stadt und bieten den Mitgliedern die Möglichkeit, kostenlos die Sicherheit des Autos prüfen zu lassen. In den Folgejahren werden die Zelte nach und nach durch Prüfcontainer abgelöst, in denen die technischen Prüfungen durchgeführt werden und die von Lkw von Prüfort zu Prüfort transportiert werden.

Ab 1961 scharen besonders geschulte Straßenwachtfahrer die ersten Interessenten in so genannten Pannenkursen um sich. Die Kurse mit dem Motto “Hilf dir selbst” geben Tipps, wie man in Notfallsituationen das liegen gebliebene Fahrzeug oder Motorrad wieder flott bekommt. Auch Damenpannenkurse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.

Die immer umfangreichere Ausrüstung, welche die “Gelben Engel” mit sich führen, bedingt 1962 die Umstellung der Straßenwacht vom Motorrad auf den Pkw. Nach langer Diskussion und eingehender Prüfung wird der VW Käfer zum neuen Straßenwachtfahrzeug. Neben Zuverlässigkeit und Langlebigkeit, spricht nicht zuletzt auch die hohe Popularität des Volkswagens für diese Entscheidung. Tatsächlich wird der gelbe Käfer bald zum neuen Symbol der „Gelben Engel“.

Schwerpunkt in den 60er-Jahren ist darüber hinaus der große Bereich der Verkehrssicherheit. So wird beispielsweise der ADAC Sicherheitspreis ins Leben gerufen, der Dreipunkt-Sicherheitsgurt gefördert und der vom ADAC-Ärztekollegium zusammengestellte Verbandskasten zur Norm erklärt. Einen Schwerpunkt setzt der ADAC Westfalen-West mit der Aktion “Hilf auch Du”, die später in “Aktion Sichere Straßen” umbenannt wird. Hierbei sollen Autofahrer Gefahrenpunkte, sinnlose Beschilderungen etc. dem Regionalclub melden, der diese dann versucht zu beheben. Schon im ersten Jahr interveniert der ADAC in 259 Fällen - und konnte schon bald eine Erfolgsquote von 70 Prozent registrieren. Sicherheit im Verkehr kann jedoch nur relativ sein. Und so sah der ADAC Westfalen-West auch seine Aufgabe darin, Unfallopfern schnellst- und bestmöglichste Hilfe zukommen zu lassen. Mit der Aktion “Rettendes Blut” richtet der Club 1964 an besonderen Verkehrsschwerpunkten so genannte “Blutplasma-Depots” ein, um Unfallopfer mit hohem Blutverlust schnell entsprechend versorgen zu können. Die Plasma-Protein-Lösung kann ohne vorherige Kontroll-Untersuchung und ohne Rücksicht auf die Blutgruppe jedem Verletzten injiziert werden. Später bietet der ADAC Westfalen-West Erste-Hilfe-Kurse in der Region an – lange bevor derartige Kurse vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden.

1965 eröffnet der ADAC Westfalen-West in Recklinghausen den größten Verkehrsübungsplatz des Bundesgebiets. Auf dem rund 80.000 qm großen Gelände können Führerscheinneulinge ihr fahrerisches Können verbessern und sich mit der Straßenverkehrsordnung vertraut machen. Bereits 1957 hatte der ADAC Hessen den ersten derartigen Übungsplatz geschaffen, Südbayern, Württemberg und Saarland folgten. Der enorme Anstieg der Mitgliederzahlen – 1967 wird die magische 100.000-Grenze durchbrochen - macht Ende der 60er-Jahre im ADC Westfalen-West den Ausbau des Geschäftsstellennetzes nötig. So eröffnen 1966 in Bochum, 1967 in Hagen, Arnsberg und Recklinghausen neue Geschäftsstellen.1969 folgen Gelsenkirchen, Gladbeck und Hamm, 1972 Rheine und Lüdenscheid. In der Hauptverwaltung in der Kaiserstraße in Dortmund nimmt 1966 eine Notrufzentrale ihren Dienst auf, die fortan den Einsatz der Straßenwachtfahrzeuge über Funk steuert und Tag und Nacht für Auskünfte ansprechbar ist. 32 Straßenwachtfahrer sind mittlerweile für den ADAC Westfalen-West und seine Mitglieder unterwegs.

Nach dem großen Erfolg in Südbayern startet 1968 die Aktion „Nummer Sicher“, mit der der Regionalclub den nachträglichen Einbau von Sicherheitsgurten propagiert. Der ADAC argumentiert mit drastischen Zahlen: von den über 10.000 Verkehrstoten, die mittlerweile jährlich zu beklagen sind, könnten viele noch am Leben sein, wenn sie einen Sicherheitsgurt benutzt hätten, aus heutiger Sicht eine richtige Einschätzung!

Luftrettung – schnelle Hilfe in Notfällen

Ein Thema beherrscht in den 70er-Jahren die Arbeit des ADAC wie kein anderes – die Luftrettung. Auch hier leistet der ADAC wieder einmal Pionierarbeit. Nach einigen Testläufen startet 1970 in München der erste ADAC eigene Rettungshubschrauber und rasch folgen ihm weitere nach, da der Bedarf nach schneller und effektiver Rettung aus der Luft immens ist. 1975 erreicht die Luftrettung auch Westfalen. Vor zahlreichen Ehrengästen absolviert „Christoph 8“ auf dem neuangelegten Landeplatz am Marienhospital in Lünen seinen ersten Start. Allein im ersten Jahr kommt es zu rund 600 Einsätzen. In den Folgejahren werden noch Hubschrauber in Rheine, Münster und Siegen stationiert. „Gelbe Engel“ trifft man ab 1972 im ADAC Westfalen-West auch erstmalig auf dem Wasser an. In Zusammenarbeit mit dem Automobil- und Motorbootclub Castrop-Rauxel führt der Regionalclub eine „Wasserwacht“ auf dem Rhein-Herne-Kanal ein – bis dato einmalig im Bundesgebiet. In Olpe errichtet der dortige Ortsclub 1977 einen weiteren Verkehrsübungsplatz. Die Mitglieder erstellen das 1,2 km lange Straßennetz und den 4.500 qm großen Übungshof weitestgehend in Eigenregie. In Haltern entsteht im gleichen Jahr der erste Trainingsplatz für Fahrsicherheit in Westfalen. Gefahren erkennen und vermeiden ist das Ziel des neuen Trainingsprogramms für Auto- und Motorradfahrer zur Hebung der allgemeinen Verkehrssicherheit. Ebenfalls 1978 feiert das so genannte Verkehrsforum Premiere, das sich in den folgenden Jahren zu einer festen Institution innerhalb der Verkehrsarbeit entwickelt. Künftig treffen hier jährlich Fachleute und Kommunalpolitiker zusammen, um Aspekte und Probleme zu Verkehrsfragen zu erörtern. 1977 steigt der ADAC Westfalen-West wieder ins große Renngeschäft ein. Zum ersten Mal wird im Rahmen des Internationalen 11. ADAC Westfalen-Pokals im belgischen Zolder ein Lauf zur Deutschen Rennsport Meisterschaft ausgetragen. Nachwuchsfahrern bietet der ADAC mit dem „Westfalen-Junior-Pokal-Rennen“ auf dem Nürburgring beste Aufstiegschancen. 1978 zählt der ADAC Westfalen-West sein 500.000 Mitglied.

Die 80er-Jahre – Einsatz für moderne Umwelttechnologien

Der ADAC ist beliebt, gerade „vor Ort“, denn die 80er Jahre werden vom überproportionalen Wachstum gekennzeichnet. Die mittlerweile über 810.000 Mitglieder fordern den Ausbau des Westfalen-West in Verwaltung und Vertrieb. Die Bedürfnisse der zahlreichen Mitglieder können nur noch mit modernster EDV und hochentwickelter Kommunikationstechnik bewältigt werden. Als erste Geschäftsstelle bundesweit wird 1986 die Geschäftsstelle in Münster „online“ mit dem Münchner Zentralcomputer verbunden. Neue Dienstleistungen wie stationäre Prüfzentren für Kraftfahrzeuge in Dortmund, Siegen und Gelsenkirchen, umfassende Telefoninformation und der Ausbau des Versicherungsangebots unterstützen das weitere Wachstum auf über 920.000 Mitglieder Ende 1993. Daneben sind die 80er-Jahre das Jahrzehnt, in dem in der Gesellschaft das ökologische Gewissen erwacht. Die Furcht vor tief greifenden Umweltschäden kann auch die Regierung nicht mehr als Hirngespinst abtun. Das Auto wird zu einem Symbol für Umweltverschmutzung und der ADAC steuert mit einer offensiven Umweltpolitik und zahlreichen Aktionen wie der Durchsetzung des Katalysators und der von bleifreiem Benzin gegen das schlechte Image an. Was 1982 bereits in Südbayern seine Premiere feierte, wird 1990 auch erstmals beim ADAC Westfalen-West eingesetzt – die Stauberater. Vier Fahrer leisten an 13 Ferienwochenenden Hilfe und informieren Urlaubsreisende über Staus, Ausweichrouten und Wissenswertes rund um den Urlaub.
 

Die 90er-Jahre – Motorsport wird wieder populär

Der Motorsport hat es in Deutschland zunehmen schwer, Veranstaltungen auf öffentlichen Straßen genehmigt zu bekommen. Schon in den 80er blieben Genehmigungen für Rallyes, Rundstrecken- und Bergrennen immer häufiger aus. Die Verkehrssicherheitsarbeit und der Umweltschutz lieferten zahlreiche Argumente gegen den Motorsport. Die ADAC Strategie, auf Rennstrecken und Übungsplätzen den Sport zu konzentrieren, versprach Erfolg. Ortsclubs und auch Veranstaltergemeinschaft nutzen die Rennstrecken Nürburgring, Zolder und seit der Wende Oschersleben. Der Hallenmotorcross, später auch der Supercross in den Westfalenhallen, entwickelte sich von den Anfängen in den 80er, damals noch auf Holz, hin zur größten Indoor-Veranstaltung deutschlandweit. Gerade der Breitensport profitierte durch die Erfolge deutscher Formel 1 Piloten nachhaltig. Seit Anfang der 90er Jahre blühte der Motorsport getragen durch die Erfolge Michael Schumachers unerwartet auf. Nahezu alle Motorsport-Disziplinen profitierten, der ADAC intensivierte die Förderung junger Talente, darunter unter vielen anderen auch Sebastian Vettel.

Der Weg ins dritte Jahrtausend

1994 erfolgt die Umbenennung der beiden westfälischen Regionalclubs Westfalen-West und –Ost in „ADAC Westfalen“ und „ADAC Ostwestfalen-Lippe“. Damit trägt der Club der geographischen Verbreitung der beiden Regionalclubs Rechnung. Der Ausbau der Serviceleistungen des ADAC Westfalen wird in den 90er-Jahren erfolgreich weiter betrieben. Heute stehen vier technische Prüfzentren zur Verfügung, im Mai 2004 ging die zuletzt errichtete Prüfanlage in Dortmund in Betrieb. Nahezu 25 Geschäftsstellen und Vertretungen kümmern sich um die Mitglieder, rund 50 Vertragsanwälte helfen und beraten, mehr als 100 Ortsclubs repräsentieren den Club vor Ort. Pünktlich zur Jahrtausendwende überschreitet der ADAC Westfalen bei den Mitgliedern die eine Millionen Marke.

Zum 100. Geburtstag 2004 bezog der ADAC Westfalen das neue Dienstleistungszentrums, das „ADAC Haus“, in Dortmund. „Alles unter einem Dach“ heißt das Motto, das Geschäftsstelle, Reisebüro, Verwaltung, Telefonservice und Prüfzentrum auf den 5.500 qm Nutzfläche des Gebäudes vereint. Im Sommer des Jubiläumsjahres wurde das neue formschöne Zweckgebäude bezogen.

Seit dem Geburtstag des Clubs sind die Leistungen des ADAC Westfalen ergänzt und ausgebaut worden. Die ADAC Luftrettung übernahm Christoph 8 in Lünen und baute die Rettungsstationen Rheine mit Christoph Europa 2 und Greven mit Christoph Westfalen aus. Die Sicherheitstrainingsplätze in Haltern, Olpe, Recklinghausen und Rüthen wurden modernisiert und neue Versicherungsangebote und Finanzdienstleistungen werden den Mitgliedern angeboten. Zahlreiche Geschäftsstellen und Service-Center konnten renoviert werden und bringen moderne Arbeitsplätze für die Mitarbeiter des ADAC Westfalen und zukunftsorientierten Service für Mitglieder und Kunden mit sich. 2014 wurde der ADAC Yachtschule am Möhnesee ein neues Schulungsgebäude mit angeschlossener Gastronomie übergeben und bietet für alle Wassersportfreunde eine moderne Ausbildungsstätte.

2014 geriet der ADAC in den Fokus öffentlicher Kritik, als bekannt wurde, dass ein leitender Mitarbeiter der Öffentlichkeitsarbeit Wahlergebnisse im Rahmen des bis dahin renommierten Autopreises „Gelben Engels“ manipuliert hatte. Daraufhin beschloss der ADAC ein tiefgreifendes Reformprogramm (Reform für Vertrauen) mit dem Ziel, verlorengegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Die Hauptversammlungen im Herbst 2014 (München) und im Mai 2015 (Bochum) bestätigten mit großer Mehrheit grundlegende Reformvorhaben. 2016 stimmte die Mitgliederversammlung final allen Bausteinen der "Reform für Vertrauen" in Lübeck zu.